Max Emden und die Brissago-Inseln: Die Geschichte geht weiter

Max Emden mit seiner Liebhaberin Renata Jacob


Der erste Weltkrieg wendet das Blatt auch für die Brissago-Inseln. Durch eine prekäre Situation und Schulden gezwungen, verlässt die Baronin de Saint-Léger die Inseln 1927 und verkauft sie an einen reichen Kaufmann aus Hamburg.

Max Emden teilt die Liebe zur Botanik und der Gartengestaltung nicht so ausgeprägt wie es die Baronin tat. Als Finanzier, Doktor der Chemie und Mineralogie und Inhaber einer Ladenkette in Deutschland, pflegt und lebt er Opulenz und Lebenskunst auf der Isola Grande. Er lässt die Villa bauen, die wir auch heute noch bewundern können, indem er den Bau der Baronin und der Kirche San Pancrazio opfert. Er fügt ein römisches Bad, die Orangerie und das Dock hinzu. Die Villa wird mit wertvollen Materialien erbaut und Emden ist es hoch anzurechnen, dass er nichts Wesentliches am Garten der Baronin verändert, so dass die Villa seiner Pracht angepasst werden kann.

Unter seiner Ägide entsteht der Kult einer kurzlebigen Welt aus Pracht und Festen, die die Brissago-Inseln mit Menschen und neuem Leben bevölkert, nicht so verschieden von jener, unter der Schirmherrschaft der Baronin. Aber wenn damals die Atmosphäre von Kunstschaffenden bevölkert war, sidn die Inseln bis 1940 das Reich der Kunstkäufer: das neue Reich des Nachkriegsdeutschlands.

Er stirbt 1940 in Muralto, im Alter von 66 Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt sein Sohn Hans Erich, der in Deutschland als Jude verfolgt wird, auf die Brissago-Inseln zurück. Einige der Möbel sind jedoch gestohlen und die Kunstwerke verschwunden.

1949 erhält der Staatsrat des Kantons Tessin ein Angebot zum Verkauf der Inseln. Der Kanton Tessin erwirbt 50% der Liegenschaft, während die restlichen 50% auf die drei Gemeinden Ascona, Brissago und Ronco sopra Ascona, den Schweizer Heimatschutz und den Naturschutz (heute ProNatura) verteilt werden.

Im darauffolgenden Jahr, am 2. April 1950, öffnen sich die Türen des Botanischen Garten der Brissago-Inseln zum ersten Mal für die Öffentlichkeit.