Feste, Tanzen, Feiern, Lärm, Farbe, Fröhlichkeit und frittierte Süssigkeiten: Dies sind die wichtigsten Zutaten für eine gelungene Tessiner Fasnacht. Besonders spannend ist, dass im Tessin zwei unterschiedliche Traditionen koexistieren: die Fasnacht im römischen Ritus und – in Orten wie Tesserete, Brissago sowie im oberen Tessin (Leventina, Blenio, Riviera) – die Fasnacht im ambrosianischen Ritus. Letztere geht darauf zurück, dass der Kanton bis ins 19. Jahrhundert zu den Bistümern Como und Mailand gehörte. Die Termine richten sich nach Ostern: Die römische Fasnacht dauert von Donnerstag bis Dienstag vor Aschermittwoch, die ambrosianische von Donnerstag bis Samstag vor dem ersten Fastensonntag.
Aber weshalb wird eigentlich gefeiert? Früher war die Fasnacht die Zeit, in der man sich vor dem Fasten noch einmal so richtig verausgabte. In der bis Mitte des 20. Jahrhunderts bäuerlich geprägten Tessiner Gesellschaft bedeutete dies vor allem eines: üppig essen. Am Donnerstag vor Aschermittwoch wurde zum letzten Mal geschlachtet, und sowohl Fleisch als auch Fett mussten vor Beginn der Fastenzeit verzehrt werden. Aus diesem Brauch entstanden typische Spezialitäten wie Tortelli (Krapfen) und Chiacchiere (Schlüferli) zubereitet.